Mary Shelley – Frankenstein

Mary Shelleys Frankenstein. Geschichten und Filme kennen wir um das Wesen viele – aber der Originalroman richtet den Blick nochmal auf andere Ebenen der Geschichte.

Um was geht’s bei Frankenstein?

Die Geschichte um das Monster kennen wir in irgendeiner Form alle. Während eines großangelegten Experiments wird ein Kreatur aus den Körperteilen Toter erschaffen, die dann durch allerlei unterschiedliche Horrorgeschichten und -filme irrt. Daher schlicht:

Ein Wissenschaftler erschafft aus Körperteilen Toter ein Wesen und erweckt es zum Leben.

Beim Lesen des Romans sind mir allerdings einige andere Aspekte der Geschichte aufgefallen. Der junge Frankenstein lernt an der Ingolstadt, dass alles, was er bisher gelernt hatte, veraltet ist. Das irritiert ihn und macht ihn unzufrieden. Er widmet sich dennoch seinen Studien und der Frage, wie man tote Materie in lebendige verwandeln kann. Er ist so vertieft in seine Studien, dass er, ganz typisch für ergriffene Wissenschaftler*innen, seine Familie und seine sonstigen Tätigkeiten vergisst.

Und zur Überraschung ist der Schöpfungsakt gar nicht grässlich beschrieben:

„Es war in einer düsteren Novembernacht, als ich endlich das Ziel meiner Mühen erreichte. Mit einer Angst, die schon an Agonie grenzte, sortiert ich rund im mich die Instrumente, mit denen ich einen Funken Leben in jenes leblose Ding pflanzen wollte, das zu meinen Füßen lag. Es war schon ein Uhr morgens; der Regen trommelte eintönig gegen die Fensterscheiben, und meine Kerze war fast heruntergebrannt, als ich im trüben Schimmer des halb erlöschenden Lichtes sah, wie sich das trübe gelbe Auge meines Geschöpfes öffnete.“ (Frankenstein, S. 77-78.)

Und dann ändert sich alles:

„Unfähig den Anblick jenes Wesens zu ertragen, das ich erschaffen hatte, stürzte ich aus dem Raum und ging lange Zeit ruhelos in meinem Schlafzimmer auf und ab.“ (Frankenstein S. 78)

Der Erschaffer wendet sich von dem Erschafften ab und diese Erfahrung ist für die Kreatur bezeichnend und wichtig. Das Wesen ist grässlich anzusehen und erfährt dadurch abweisende Reaktionen von seiner Umwelt. Die Bemühungen, Nähe und Beziehung aufzubauen bleiben erfolglos und es erfährt ständig Zurückweisungen.

Was hat mir gefallen?

Shelley Roman hat wenig mit dem körperlichen Horror der Filme oder Bilder zu tun, die wir gewöhnlich mit dem Begriff „Frankenstein“ assoziieren. Vielmehr wurde mir beim Lesen klar, dass der Horror der Geschichte in gesellschaftlicher Ausgrenzung liegt. Manche Erfahrungen des Wesens sind von Shelley so eindrücklich beschrieben, dass sie beim Lesen weh tun.

Fazit

Ein Roman, der eigentlich nicht davon lebt, wie furchtbar das Monster aussieht, sondern wir furchtbar Gesellschaft ausgrenzen kann. An Aktualität kaum zu überbieten.

Hinweis zum Exemplar und Abbild des Covers:
Shelley; Mary: Frankenstein. Insel Taschenbuch 3523. Frankfurt am Main 2008.

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