Stephen King – Revival

Revival – Wiederbelebung/Auferweckung: Gehts hier um Zombies? Nicht ganz, der Roman bietet was von Frankenstein, aber noch viel mehr: Stephen King legt hier einen recht klugen Horroroman vor, der im Großen und Ganzen auf Kreaturen wie Horrorclowns oder Zombies verzichten kann.

Um was geht’s bei „Revival“?

Das sind die Krauts und die sind Böse – manchmal ist es so einfach: in den Augen des sechsjährigen Jamie, dem, während er mit seinen Spielzeugsoldaten spielt, Charles Jacobs begegnet. Letzterer ist der neue Pastor der Gemeinde, in der Jamie mit seiner Familie lebt. Beide bewegen sich ab diesem Moment wie sich anziehende Pole durch den Roman, der aus Sicht von Jamie in Rückblenden erzählt wird.

Die Story von Revival ist tragisch: Der Pastor Charles Jacob lässt in seiner Freizeit Jesusfiguren durch Elektrizität angetrieben über einen Kunstsee spazieren und bringt so den jungen Leuten in der Sonntagsschule das Evangelium näher. Aufgrund eines tragischen Unfalls verliert er seine Familie. Ein Mann Gottes taumelt angesichts des persönlichen Leids, strauchelt und verliert schließlich seinen Glauben an Gott. Was er nicht verliert, ist sein Interesse an Elektrizität – und voller Energie beginnt er als Wunderheiler durch die USA zu reisen. Also doch wieder alles gut? Nicht ganz, der Pastor verfolgt sinistre Ziele und alles läuft auf ein letztes Experiment mit dieser Elektrizität hinaus.

Was hat mir gefallen?

Stephen King gibt nur wenige Interviews. In einem Interview im Rolling Stone bezeichnet er das Über-natürliche zu seinem Inventar.1 Ganz ohne geht’s wohl nicht und ganz ohne kommt auch Revival nicht aus. Das ist übrigens auch sehr schnell zu erkennen, denn King stellt dem Roman ein Zitat von H.P. Lovecraft, einem seiner Vorbilder voraus. Während bei Lovecraft aber übernatürlichen Wesen Schrecken verbreiten, ist das bei Revival anders – das verstärkt den Schrecken, schrecklich und böse ist aber viel mehr das, was da auf zwei Beinen daherkommt.

Fazit

Beeindruckende Geschichte. Ein Pastor, der als Wunderheiler durch die USA reist, das klingt nach bible belt, nach der ersten True Detective Staffel und allerlei düsteren Geschichten. Und der Eindruck bestärkt sich. Was mir besonders gefallen hat, war aber die Ausarbeitung des Charakters: Jacobs, der durch den Verlust seiner Familie so sehr erschüttert ist, dass auch der Glaube nicht mehr helfen kann. Und das setzt gewaltige dunkle Energien frei.

Hinweis zum Exemplar und Abbild des Covers:
King, Stephen: Revival. Vollständige deutsche Taschenbuchausgabe 09/ 2016. München 2015.

1 https://www.rollingstone.de/stephen-king-in-voller-laenge-das-exklusiv-interview-mit-dem-genie-der-angst-700454/

 

 

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